Der ungebetene Gast: Helicobacter pylori

Der Magenteufel

Rund um den Globus ist etwa jeder zweite Mensch mit dem Magenkeim Helicobacter infiziert. In Deutschland gibt es mehr als 33 Millionen Mägen, die dem Magenteufel Unterschlupf gewähren.

Die Infektion mit Helicobacter geschieht meist schon während der Kindheit. Erst viel später - oftmals nach einigen Jahrzehnten - sorgt der Magenteufel etwa bei jedem fünften Wirt für Folgeerkrankungen.

Das Bakterium - winzig klein und erst seit 1983 verantwortlich für Magenerkrankungen gemacht - kann über den Speichel von Mund zu Mund übertragen werden. Manchen Menschen schadet es, für andere (z.B. die Bevölkerung Ostasiens) stellt es keine Gefahr dar.

Helicobacter pylori ist ein Bakterium mit einer spiralförmigen (Helix = Spirale) Gestalt. Das Bakterium ist nur wenige tausendstel Millimeter groß und besitzt an seiner Oberfläche lange fadenförmige Geißeln, die ihm eine gute Beweglichkeit verleihen.

Die Bakterien sind raffinierter als ihre Artgenossen. Sie sondern Enzyme ab, die sie vor der aggressiven Magensäure schützen. Haben sie sich erst einmal in der Magenschleimhaut eingenistet, können sie von dort aus die Magenwand angreifen.

Lang anhaltende Magenschmerzen, ständiges Völlegefühl oder auch immer wiederkehrende Übelkeit können Symptome einer Infektion mit Helicobacter pylori sein.

Der Nachweis von Helicobacter

Die Helicobacter-Bakterien werden in Europa für nahezu 100 Prozent der chronischen Magenschleimhautentzündungen, 80 Prozent der Magengeschwüre und 90 Prozent der Zwölffingerdarmgeschwüre verantwortlich gemacht.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Helicobacter pylori sogar ursächlich an der Entstehung des Magenkarzinoms beteiligt.

Der Nachweis des Bakteriums erfolgt entweder durch eine Magenspiegelung, bei der auch Gewebeproben entnommen werden. Das Gewebe wird mit einer harnstoffhaltigen Indikatorflüssigkeit zusammengebracht. Eine Farbänderung kann unter dem Mikroskop die Bakterien sichtbar machen.

Inzwischen stehen auch nichtinvasive Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung. Dazu zählen Blut-, Stuhl- und Atemtests. Beim Atemtest trinkt der Patient eine speziell präparierte Flüssigkeit, die völlig ungiftigen Harnstoff enthält.

Im Falle einer Infektion und des damit verbundenen Vorhandenseins des Enzyms Urease, spaltet dieses den aufgenommenen Harnstoff und setzt so einen Stoff frei, den man in der Ausatemluft messen kann.

Allerdings sagt dieser so genannte C-13-Atemtest lediglich etwas über die Infektion an sich aus. Der Zustand von Magen und Zwölffingerdarm müssen bei einem positiven Testergebnis noch weiter untersucht werden.

Dreifach-Therapie

Wird eine Helicobacter-Infektion festgestellt, so ist in der Regel eine medikamentöse Therapie vonnöten, die eine vollständige Beseitigung des Keims zum Ziel hat. Das ist vor allem dann wichtig, wenn bereits ein Geschwür vorliegt.

Bei dieser Beseitigung (Eradikation) sollen nicht nur die chronischen Entzündungen und Geschwüre geheilt, sondern auch Magenblutungen und andere Krankheitskomplikationen verhindert werden.

Zur Behandlung einer Helicobacter-Infektion werden in der Regel gleichzeitig drei verschiedene Arzneimittel (Tripeltherapie) eingesetzt. Dazu zählen zwei Antibiotika, die das Bakterium direkt abtöten oder sein Wachstum hemmen sowie ein Protonenpumpenhemmer, der die Produktion der Magensäure verringert.

Die Therapie dauert in der Regel sieben Tage, wobei die Medikamente jeweils morgens und abends in einer genau festgelegten Dosierung eingenommen werden müssen.

Rund vier Wochen nach Beendigung der Therapie wird Ihr Arzt nochmals kontrollieren, ob noch Keime vorhanden sind. Können keine Helicobacter-Bakterien mehr gefunden werden, ist die Behandlung beendet - Schleimhautentzündungen sowie Magen- und Darmgeschwüre bilden sich zurück.

Hilfe zur Selbsthilfe

Für die wirkungsvolle Behandlung ist es unabdingbar, die Dauer und Dosis der Medikamente genau einzuhalten. Wird die Therapie unterbrochen oder zu früh beendet, besteht die Gefahr, dass ein Teil der Bakterien überlebt. Dann kann die scheinbar geheilte Infektion wieder aufflammen und die Magen- oder Darmerkrankung bildet sich nicht zurück.

Wichtig ist, dass eine mögliche Infektion mit Helicobacter frühzeitig erkannt wird. Suchen Sie deshalb bei länger anhaltenden oder immer wiederkehrenden Magen- oder Bauchschmerzen den Arzt auf.

Einen Ausbruch von Helicobacter begünstigen Risikofaktoren wie Stress, Rauchen, erhöhter Alkoholkonsum sowie die häufige Einnahme von Schmerzmitteln. Auch eine familiäre Veranlagung zu Magengeschwüren sollte Sie zu einer erhöhten Wachsamkeit veranlassen.

Zudem ist eine gute Hygiene wichtig, etwa im Umgang mit Lebensmitteln und Haushaltsgeräten sowie beim Händewaschen. Damit lässt sich das Risiko einer Infektion reduzieren, wenngleich der Infektionsweg noch nicht abschließend geklärt ist.

Zu den Übertragungsmöglichkeiten zählen:

  • eine familiäre, genetische Disposition
  • mangelnde Mundpflege, Karies, schlechter Zahnschmelz, Zahnstein (Helicobacter kann offenbar auch in den Plaques der Zähne und in den Zahnfleischtaschen überleben)
  • enger familiärer bzw. Partner-Kontakt (Küssen, gemeinsames Benutzen von Besteck oder Zahnbürsten)
  • Tiere in der Wohnung, die als Überträger dienen, wobei sie selbst nicht erkranken. Es sind dies vor allem Stubenfliegen, die an allen möglichen Nahrungsmitteln kosten und den Erreger übertragen. Ähnliches machen offenbar auch Katzen, wobei sie selbst gegen den Erreger immun sind.