Der Klassiker: Die Grippeimpfung

Grippe oder grippaler Infekt?

Jeder zweite Deutsche hat mindestens einmal im Jahr einen grippalen Infekt: Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Heiserkeit quälen.

Im Unterschied zu dieser normalen Erkältung kommt es bei der echten Grippe innerhalb von wenigen Stunden bis drei Tagen nach der Infektion zu hohem Fieber bis zu 40 Grad und mehr.

Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch plötzlich auftretendes schweres Krankheitsgefühl, das neben dem hohen Fieber auch mit meist trockenem Husten sowie heftigen Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen einhergeht.

Die Virusgrippe wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Ein infizierter Mensch kann mit einem einzigen Nieser Millionen von Erregern mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h in die Umgebung schleudern. Für Umstehende ist die Ansteckungsgefahr sehr groß.

Mit einer Grippe schlägt man sich rund sechs bis zehn Tage herum. Allerdings dauert es oft bis zu einem Monat, bis man sich wieder richtig fit fühlt. Und dies auch nur, wenn keine Komplikationen hinzukommen.

Wenn das Immunsystem nämlich nicht in der Lage ist, das Virus zu bremsen, wütet es weiter im Körper. Jeder achte Grippepatient erkrankt zusätzlich an bakteriellen Infektionen wie etwa Lungen- oder Hirnhautentzündungen.

Wandlungsfähiges Virus

Alljährlich machen neue Viren von sich reden - und häufig genug gibt es Warnungen vor weltweiten Grippe-Epidemien. Der Grund dafür ist die enorme Wandlungsfähigkeit der Influenza-Viren.

So sitzen beispielsweise in den Gedärmen von Wildwasservögeln rund 15 verschiedene Subtypen der Influenza-Viren. Bei der Vermehrung in anderen Tieren oder auch im Menschen tauschen sie ihr genetisches Material aus, und es entsteht ein neues Virus.

Viele der Viren entstehen in den Armutsgebieten Asiens. Dort leben Menschen mit Hühnern, Enten und Schweinen auf engstem Raum zusammen. So infizieren sich Schweine beispielsweise mit der Geflügelgrippe, stecken sich gleichzeitig aber auch mit Menschenviren an.

Im Organismus des Tieres vermischen sich diese Typen zu gefährlichen Killer-Viren, die dann schnell per Flugzeug oder Schiff über die ganze Welt verbreitet werden können.

Benannt werden die Viren nach dem Ort, wo sie als erstes entdeckt wurden. So tragen sie beispielsweise die Namen von Städten wie Moskau oder Sydney.

Zugefügt wird je nach Typ Influenza ein A für gefährlichere, ein B für mildere Varianten sowie eine Formel der Oberflächenantigene, die zeigt, zu welchem Subtyp das Virus gehört. So kommen dann Bezeichnungen wie A/Sydney/H3N2 zustande.

Grippeschutz durch Impfung

Da die echte Virusgrippe eine schwere, oft mit Komplikationen belastete Krankheit ist, steht der Schutz vor Ansteckung im Vordergrund. Mittlerweile hat die Impfung als einzig mögliche Vorbeugungsmaßnahme die Deutschen überzeugt.

Die Impfung muss jährlich erneuert werden, da der aktuelle Impfstoff immer gegen die häufigsten Viren des Jahres schützt. Um diese zu ermitteln, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO rund 110 "Grippe-Spione" in der ganzen Welt auf Posten.

Diese Experten schlagen Alarm, wenn ein neues Virus auftaucht. Allerdings dauert es bis zu fünf Monaten, bis dagegen ein entsprechender Impfstoff entwickelt werden kann.

Impfungen sind besonders für Risikogruppen angesagt. Dazu zählen

  • Personen über 60 Jahre
  • Kinder und Erwachsene mit chronischen Atemwegs-, Herz- oder Nierenerkrankungen, Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Krebsleiden, Immunschwäche
  • Menschen, die auf engem Raum mit vielen anderen zusammenwohnen, z.B. in Heimen
  • Menschen, die mit chronisch Kranken zusammenleben
  • Menschen, die besonders oft und viel mit größeren Menschenmengen zu tun haben, wie z.B. Lehrer, Verkäufer, Schalterangestellte, Bus- und Bahnfahrer, aber auch Mitarbeiter des Gesundheitswesens
  • Bus- und Bahnbenutzer

Doch auch alle anderen sollten auf die Grippeimpfung setzen. Der günstigste Termin ist der Spätherbst.

Der Grippeschutz ist nach gut sieben Tagen aufgebaut, so dass auch eine spätere Impfung noch möglich ist. Auch eine Schwangerschaft ist kein Hinderungsgrund für die Impfung.

Gefährliche Bakterien: Pneumokokken

Im aktuellen Impfkalender der STIKO sind die Schutzimpfungen gegen Influenza und Pneumokokken für alle Personen ab dem 60. Lebensjahr als Standardimpfungen festgeschrieben.

Pneumokokken sind Bakterien, deren Sporen sehr widerstandsfähig sind und sich durch den Wind verbreiten. Auch eine Tröpfcheninfektion kann die Bakterien übertragen.

Schätzungsweise jeder zweite Mensch beherbergt die Pneumokokken in seinem Nasen-Rachen-Raum. Doch erst, wenn das Immunsystem geschwächt ist, erkrankt der bis dahin symptomlose Träger.

So können zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Krankheit manchmal Jahre vergehen.

Pneumokokken verursachen vor allem bei älteren Menschen überwiegend schwere Lungenentzündungen. Besonders gefährdet sind chronisch Kranke. Zudem lösen Pneumokokken auch Mittelohr-, Nasennebenhöhlen- sowie Hirnhautentzündungen aus.

Wenn sich die Pneumokokken über die Blutbahn im ganzen Körper verteilen, kann es zu lebensgefährlichen Blutvergiftungen kommen.

Wichtig: Pneumokokken-Impfung!

Aber auch gegen Pneumokokken kann man sich durch eine Impfung schützen. Es stehen zwei unterschiedliche Impfstoffe zur Verfügung: Der Polysaccharid-Impfstoff, der gegen die wichtigsten 23 Erregertypen gerichtet ist, sowie ein Konjugat-Impfstoff.

Der erste der Impfstoffe ist für Kinder ab zwei Jahren und Erwachsene geeignet, während der Konjugat-Impfstoff bereits bei Säuglingen und Kleinkindern wirksam ist. Der Impfstoff ist ein Totimpfstoff und besteht aus Teilen der Bakterienhülle, die die Krankheit nicht auslösen können.

Alle Frühgeborenen sowie Säuglinge mit niedrigem Geburtsgewicht, Gedeihstörungen oder Grunderkrankungen, z.B. der Lunge oder des Herzens, sollten laut STIKO-Empfehlungen diese Impfung erhalten.

Grundsätzlich wird die Pneumokokken-Impfung Menschen über 60 Jahren, chronisch Kranken jeden Alters sowie Menschen ohne Milz angeraten.

Es wird ein Mal geimpft, dann ist bei jungen Menschen ohne Grundkrankheiten oder gestörter Immunabwehr mit einer Schutzdauer von bis zu 10 Jahren zu rechnen. Bei allen anderen Personen sollte alle 5 Jahre mit einer einzigen Impfung geschützt werden.