Grippeschutzimpfung nicht vergessen

Wandlungsfähiges Virus

Influenza-Viren sind wahre Verwandlungskünstler und in der Lage, ihre Gestalt zu wechseln. So nisten beispielsweise in den Gedärmen von Wildwasservögeln bis zu 15 verschiedene Untertypen der Influenza-Viren. Bei der Vermehrung in anderen Tieren oder auch im Menschen tauschen sie ihr genetisches Material aus und es entsteht ein neues Virus.

Viele der Viren entstehen in den Armutsgebieten Asiens, da die Menschen dort auf engstem Raum mit Hühnern, Enten und Schweinen zusammen leben.

Benannt werden die Viren nach dem Ort, wo das Virus zum ersten Mal bei einem Patienten entdeckt wurde. Zusätzlich wird je nach der Klassifizierung des Influenza-Typs ein A, B oder C hinzugefügt.

Weltweite Kontrolle

Beobachtet wird die Entwicklung der Viren durch mehr als hundert so genannte "Grippe-Spione" der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese Experten schlagen Alarm, wenn ein neues Virus auftaucht.

Sie entnehmen Schleimproben von den verdächtigen Kranken, werten sie aus und geben die Informationen an eine Datenbank weiter. Dort wird an den Impfstoffen gegen die Viren gearbeitet.

Allerdings dauert es rund ein halbes Jahr, bis ein neuer Impfstoff entwickelt ist. Ein Virus könnte in dieser Zeit die Welt überrollen und eine Epidemie auslösen. Die Forschungen der WHO machen es jedoch möglich, die Impfstoffe neu zu formieren und auf den wahrscheinlichsten Virus des Jahres zu programmieren.

Die Impfstoffzusammensetzung wird in jedem Jahr aktualisiert. Die für die jeweilige Saison empfohlene Stammzusammensetzung sowie die zugelassenen Impfstoffe finden sich auf der Webseite des Paul Ehrlich-Instituts:

Jährliche Impfung

Wer sich jedes Jahr neu mit dem aktuellen Impfstoff impfen lässt, hat einen sicheren Schutz gegen die häufigsten Influenza-Viren. Eine Erkrankung lässt sich durch die Impfung mit 80 %iger Wahrscheinlichkeit verhindern.

Bekommt man trotzdem eine Grippe, fällt diese mitsamt ihrer Symptome deutlich milder aus. Eine regelmäßige Impfung führt außerdem dazu, dass der Körper eine schlagkräftige Reserve an Abwehrzellen aufbauen kann, die die unterschiedlichen Grippeerreger in Schach hält.

Wichtig ist, dass die Grippeschutzimpfung möglichst frühzeitig erfolgt. Etwa 14 Tage nach dem kleinen Piks ist der Impfschutz vollständig aufgebaut und hält für rund sechs Monate an.

Der beste Zeitpunkt für die Impfung ist Mitte bis Ende September, doch auch danach ist die Impfung problemlos möglich.

Eine Impfung ist vor allem für die folgenden Personengruppen empfehlenswert:

  • Menschen über 60 Jahre,
  • chronisch kranke Menschen,
  • Menschen, die in engen Gemeinschaften leben, z.B. in Seniorenheimen,
  • Menschen, die dauernd Publikumsverkehr ausgesetzt sind (z.B. Busfahrer, Lehrer, Erzieher, Verkäufer),
  • Menschen, die viel mit Bus und Bahn unterwegs sind.

Ein kleiner Piks

Für den alljährlich neu kreierten Impfcocktail werden gleich drei verschiedene Grippeviren ausgewählt, von denen höchstwahrscheinlich die größte Gefahr ausgeht. Die Impfung wird mit einer Spritze vorgenommen, ein kleiner Piks genügt also, um für den Rest des Winters geschützt zu sein.

Der Grippeimpfstoff wird mit Hilfe von Hühnereiern produziert. Vorsicht ist also für alle Personen geboten, die allergisch auf Hühnereiweiß reagieren. Denn trotz Reinigung bleiben im Impfserum geringe Mengen des tierischen Eiweißes zurück.

Allergiker sollten sich mit ihrem Arzt vor einer Grippeimpfung beraten und gegebenenfalls einen Hauttest durchführen lassen.

Zum Zeitpunkt der Impfung sollte man keine akut fiebrige Erkrankung haben. Bei leichteren Infekten ist die Impfung jedoch möglich.

Eine Schwangerschaft ist kein Grund, sich nicht impfen zu lassen. Schwangere sollten sich jedoch zuvor von ihrem Arzt beraten lassen.

Zu beachten ist, dass bei Kindern unter 3 Jahren eine reduzierte Dosis verwendet wird.

Der Impfstoff ist sehr gut verträglich. Für Personen über 65 Jahren steht ein so genannter adjuvierter Impfstoff zur Verfügung, dessen Antikörper-Induktion deutlich höher liegt als bei Nicht-adjuvierten.

Nebenwirkungen der Grippeimpfung beschränken sich meist auf lokale Beschwerden (Rötung, Schwellung, Schmerzen an der Injektionsstelle) oder leichte Allgemeinbeschwerden wie Fieber, Gliederschmerzen, Mattigkeit und Unwohlsein, die als Ausdruck der Auseinandersetzung des Organismus mit dem Impfstoff zu werten sind.

Der Impfstoff selbst kann keine Influenza-Erkrankung auslösen, schützt aber natürlich auch nicht vor Erkältungskrankheiten, die nicht durch das Influenza-Virus ausgelöst sind.

Impfung gegen Pneumokokken

Erkrankungen durch Pneumokokken verursachen jährlich etwa 12.000 Todesfälle in Deutschland. Ältere Menschen sind besonders gefährdet: 90 Prozent der Opfer sind älter als 60 Jahre.

Seit einigen Jahren wird in Deutschland Senioren eine Impfung gegen Pneumokokken alle fünf bis sechs Jahre empfohlen. Viele Menschen beherbergen diese Bakterien als ungebetene Gäste in den oberen Atemwegen.

Bei älteren Menschen haben es die Erreger leichter, in die Bronchien zu wandern oder gar ins Blut zu gelangen. Lebensgefährliche Lungen- und Hirnhautentzündungen können die Folge sein.

Um das zu verhüten, injizieren die Ärzte Teile der Pneumokokken. Die Impfung empfiehlt sich auch deshalb, weil es immer mehr Bakterienstämme gibt, denen Antibiotika nichts mehr anhaben können.