Untersuchungen und Impfungen bei Kindern

Die ersten drei Monate

Die Früherkennungs-Untersuchungen werden mit U1 bis U9 bezeichnet. Die U1 wird unmittelbar nach der Geburt durchgeführt.

Der Arzt beurteilt Atmung, Puls, Grundtonus (Muskelspannung), Aussehen (vor allem die Hautfarbe) und Reflexauslösbarkeit (APGAR-Test). Auch Wiegen, Messen und eine Untersuchung des Nabelschnurblutes gehören zur U1.

Mitte der ersten bis Mitte der zweiten Lebenswoche findet dann der erste vollständige Check-up statt, die U2. Dafür wird auch Blut entnommen, um mögliche angeborene Stoffwechselstörungen oder andere Erkrankungen zu erkennen.

Weitere Untersuchungen betreffen unter anderem mögliche Fehlstellungen der Hüfte. Diese betreffen etwa drei Prozent der Kinder, Mädchen häufiger als Jungen. Je früher Fehlstellungen erkannt und behandelt werden, desto besser ist der Erfolg.

Der Arzt wird zum Zeitpunkt der U2 mit der Mutter über die Gabe von Vitamin D zur Rachitisprophylaxe und Fluorid für die Zahnentwicklung sprechen.

In der vierten bis sechsten Lebenswoche sollte das Kind zur U3 gebracht werden. Dann geht es um Größe, Gewicht, mögliche Hüftfehlstellungen, Reflexe und Sinneswahrnehmungen sowie die allgemeine Entwicklung und Befindlichkeit.

Weitere Untersuchungen im 1. Jahr

Im dritten oder vierten Lebensmonat steht die U4 auf dem Programm. Sie dreht sich um die weitere körperliche und geistige Entwicklung sowie das Bewegungsverhalten und die allgemeine Befindlichkeit.

Im Rahmen der U4 sollten auch die ersten Impfungen durchgeführt werden. Sie beginnen, einen Schutz aufzubauen gegen:

  • Diphtherie,
  • Tetanus (Wundstarrkrampf),
  • Keuchhusten (Pertussis),
  • Haemophilus Influenzae B,
  • Poliomyelitis und
  • Hepatitis B.

Die erste Wiederholungsimpfung dafür sollte vier Wochen später folgen.

Die U5 erfolgt im sechsten oder siebten Lebensmonat. Hier geht es um Beweglichkeit und Geschicklichkeit des Kindes. Außerdem berät der Arzt über die richtige Ernährung.

Im Rahmen der U5 kann die zweite Wiederholungsimpfung erfolgen.

Im zehnten bis zwölften Monat findet dann die U6 statt. Der Arzt überprüft die Entwicklung der äußeren Geschlechtsorgane und beurteilt die neu erworbenen Bewegungsfähigkeiten des Kindes wie Krabbeln, Sitzen und Gehen an der Hand. Auch die Sprachentwicklung gehört dazu.

Weiterhin wird die ausstehende Wiederholungsimpfung durchgeführt. Damit ist ein vollständiger Schutz gegen die oben genannten Krankheiten aufgebaut.

Zwischen dem zwölften und 15. Lebensmonat sollte zudem die erste Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln erfolgen. Weitere mögliche Impfungen, z.B. gegen Windpocken (Varizellen) sowie Meningo- oder Pneumokokken, sollten durchgeführt werden, wenn das Kind stark immungeschwächt ist oder (bei Windpocken) unter schwerer Neurodermitis leidet.

Bis zum Schulalter

Im 21. bis 24. Lebensmonat wird die U7 durchgeführt. Dabei geht es darum, ob das Kind sich altersgerecht entwickelt (Bewegungs- und Sprachfähigkeiten, Augen, Gehör). Dies ist eine gute Gelegenheit für die Wiederholungsimpfung gegen Mumps, Masern und Röteln.

Diese wird mindestens vier Wochen nach der Erstimpfung empfohlen, d.h. im 16. bis 24 Lebensmonat. Zu diesem Zeitpunkt sollte der gesamte Impfstatus des Kindes überprüft werden.

Mit 3½ bis vier Jahren folgt dann die U8. Sie beinhaltet einen vollständigen Check-up sowie Untersuchungen zur Sprachentwicklung, körperlichen Geschicklichkeit und sozialen Fähigkeiten wie Selbstständigkeit und Kontaktfähigkeit. Hier geht es auch darum, ob das Kind reif für den Kindergarten ist.

Schließlich wird im Alter von fünf bis 5½ Jahren die U9 durchgeführt. Sie ist die letzte Vorsorgeuntersuchung. Hier geht es u.a. um mögliche Zahnschäden oder Fehlentwicklungen des Knochenbaus.

Weiterhin geht es um Intelligenz, geistige Entwicklung, Sozialverhalten, Geschicklichkeit sowie noch einmal um die Sinnesorgane. Der Arzt wird auch eine Einschätzung abgeben, wann das Kind eingeschult werden sollte.

Im Rahmen der U9 wird nochmals der Impfstatus überprüft. Eine erste Auffrischimpfung gegen Diphtherie und Tetanus sollte erfolgen.

Die ersten zwei Lebensjahre (Alter in vollendeten Monaten):

Impfungen: Schutz oder Risiko?

Manche Menschen lehnen Impfungen ab. Dafür führen sie verschiedenste Gründe an, die jedoch einer genaueren Betrachtung nicht standhalten.

Vielfach wird die Meinung vertreten, dass Impfungen nicht mehr nötig seien, da die entsprechenden Infektionskrankheiten kaum noch auftreten. Doch Tetanus- oder Diphtheriebakterien sind heutzutage immer noch "unterwegs" und diese Krankheiten sind immer noch nicht oder nur schlecht behandelbar.

Die durch Viren ausgelösten "Kinderkrankheiten" wie Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken können überhaupt nicht direkt bekämpft werden. Hier ist nur eine Behandlung der Symptome möglich.

Der vielzitierte "Nestschutz" durch Schwangerschaft und Stillzeit ist nicht allumfassend - und er lässt mit der Zeit nach. So besteht sehr wohl eine Notwendigkeit für Impfungen.

Impfungen sind allerdings nicht nebenwirkungsfrei. Relativ häufig sind Schmerz, Schwellung und Rötung im Bereich der Injektionsstelle. Auch Fieber kann auftreten. All dies geht aber meist rasch vorbei - und die Krankheit selbst ist viel unangenehmer.

Nur in sehr seltenen Fällen (ca. 1 : 10 Millionen) kann es zu Komplikationen mit bleibenden Schäden kommen. Dies ist jedoch viel seltener als Komplikationen bei einer tatsächlichen Infektion. Die Impfung ist also viel sicherer für das Kind als das Warten auf die entsprechende Erkrankung.