Ingwer ist Heilpflanze des Jahres 2018

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Die ältesten Berichte über Ingwer als Heilpflanze stammen aus China von Kaiser Shen Nung, der etwa 2.500 Jahre vor der europäischen Zeitrechnung lebte. Er teilte die Heilpflanzen in drei Klassen ein. Zur untersten Klasse gehören die Diener-Kräuter. Damit bezeichnete er giftige Heilkräuter, die bei Krankheiten nur in kleinsten Mengen eingenommen werden durften.

Die mittlere Klasse nannte er Minister-Kräuter. Dazu gehören Heilpflanzen ohne giftige Inhaltsstoffe, die bei leichten Erkrankungen wie Fieber oder Erkältung helfen, jedoch nicht unbegrenzt angewendet werden sollten.

Die höchste Klasse bilden die Königlichen Pflanzen. Diese umfasst die wertvollsten Heilpflanzen, die auch in größeren Mengen und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden durften und keine Nebenwirkungen hatten. Sie sollten den gesunden Menschen vor Krankheiten bewahren und seine Lebenskraft erhalten. Für den Kaiser war Ingwer eine der wichtigsten Pflanzen innerhalb der Königsklasse.

Von China gelangte Ingwer über die alten Handelswege aus dem asiatischen Raum nach Griechenland und nach Rom. Griechen und Römer schätzten ihn schon bald als kräftiges Gewürz. Bereits der berühmte griechische Arzt Dioskurides empfiehlt im 1. Jahrhundert n. Chr. Ingwer als ein Mittel gegen Magenbeschwerden. Der römische Feinschmecker Marcus Gavius Apicius beschreibt in seinem Kochbuch Ingwer als ein Gewürz für Speisen und Getränke in der gehobenen römischen Küche.

Ein wenig zur Botanik

Ingwer ist ein schilfartiges Gewächs aus der Familie der Gewürzlilien. Die mehrjährige Pflanze mit botanischem Namen Zingiber officinale entspringt einem kräftigen Wurzelstock, eigentlich einem Rhizom, da es sich um unterirdisch wachsende Triebe handelt. Aus dem geweihartigen Wurzelstock wachsen im Frühjahr aufrechte Stängel mit schmalen Blättern, die jedes Jahr absterben. Der Blütenstiel endet in einer länglichen Ähre mit rot-gelben Blüten.

Die Ernte der Rhizome erfolgt in der Regel neun bis zehn Monate nach dem Einpflanzen. Werden sie bereits nach fünf Monaten geerntet, sind sie weniger aromatisch und auch milder. Dieser faserarme, junge Ingwer wird als Grüner Ingwer gehandelt.

Die Ernte der Rhizome erfolgt durch Handarbeit, indem sie vorsichtig ausgegraben werden. Ihre Schale ist beige bis bräunlich, das Innere ist gelblich und leicht faserig. Nach der Ernte werden die Rhizome gewaschen und eventuell in kleinere Stücke gebrochen.

Bei drei Grad Celsius und einer relativ hohen Luftfeuchtigkeit von 85 bis 90 Prozent sind sie so drei bis vier Monate haltbar. In gemahlener Form ist Ingwer ein wichtiges Küchengewürz und Bestandteil von vielen Gewürzmischungen, allen voran von Curry.

Darum ist Ingwer gesund

Aktuell werden Ingwerpräparate zur Vorbeugung und Bekämpfung von Übelkeit und Erbrechen angewendet - vor allem bei Reise- und Seekrankheit, aber auch bei Übelkeit infolge einer Chemotherapie mit Zytostatika. Die gleiche Wirkung kann auch durch Kauen einer daumennagelgroßen geschälten Ingwerwurzel erreicht werden.

Da Ingwer die Speichelsekretion erhöht und die Darmperistaltik aktiviert, kann Ingwer gegen Verdauungsstörungen angewendet werden. Zudem soll Ingwer die Beschwerden bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren lindern.

Ingwer ist aber eine scharfe Angelegenheit. Wer auf ein Stückchen frische Knolle beißt, dem brennt nicht nur die Zunge. Auch die Wangen können sich röten, die Nase läuft manchmal und eventuell durchblitzt ein Wärmegefühl den Körper, denn Ingwer steckt voller Scharfstoffe, die die Wärmerezeptoren des Körpers aktivieren.

Die Inhaltsstoffe des Ingwers wirken im Körper ähnlich wie Aspirin. Sie mildern Schmerzen und sind so ein wirksames, nebenwirkungsfreies und natürliches Mittel gegen Migräne und andere Kopfschmerzen sowie Gelenkbeschwerden. Regelmäßiger Ingwergenuss verhindert, dass Blutplättchen miteinander verkleben. Damit kann Ingwer auch gegen Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall und Venen-Thrombose schützen.

Außerdem töten die Wirkstoffe Fremdkeime ab und schützen so vor Entzündungen und Erkältungen. Im Ingwer stecken Kalzium für feste Zähne und gesunde Knochen sowie entwässerndes, blutdrucksenkendes Kalium, dazu zellschützendes Vitamin C und keimtötende ätherische Öle.

Die Scharfstoffe sind Gingerol und Shoagolen, die als die Hauptwirkstoffe gelten können. Aber wie so oft in der Phytotherapie bestimmt das Verhältnis der einzelnen Inhaltsstoffe zueinander die Gesamtwirkung, denn auch hier gilt: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Im Vergleich zur medizinischen Anwendung ist die kulinarische Verwendung des Ingwers noch vielseitiger. In der asiatischen Küche ist er allerdings viel beliebter als in der europäischen. Deutsche schätzen die süße Variante des Ingwers mehr, zum Beispiel als kandierten Ingwer oder Ingwer-Konfekt. In angelsächsischen Ländern ist Ginger Beer und Ginger Ale beliebt. Ginger Beer wird gebraut, Ginger Ale ist ein perlendes, alkoholfreies Getränk aus Ingwer-Konzentrat, das ferner Zitronen- und andere Fruchtsäfte sowie Schaumbildner enthält.