Impfempfehlungen gegen Keuchhusten

Bisherige Empfehlungen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung für Krankheitsüberwachung und -prävention mit dem Rang einer Oberen Bundesbehörde. Die STIKO am RKI ist in Deutschland offiziell dafür zuständig, Impfempfehlungen zu erarbeiten und zu veröffentlichen.

Turnusgemäß gibt die STIKO im Juli eines jeden Jahres die aktuellen Impfempfehlungen heraus. Insofern ist die Veröffentlichung neuer Empfehlungen zur Impfung im Januar eine Ausnahme vom üblichen Vorgehen.

Der im Juli 2005 veröffentlichte - und jetzt bezüglich Keuchhusten (medizinisch: Pertussis) nicht mehr gültige - Impfkalender der STIKO empfahl insgesamt fünf Impfungen. Diese sollten nach dem folgenden Schema verabreicht werden:

  • Drei Impfungen im Alter von 2 bis 4 Monaten in jeweils vierwöchigem Abstand.
  • Eine vierte Impfung im Alter von 11 bis 14 Monaten, mindestens ein halbes Jahr nach der dritten, um die Grundimmunisierung abzuschließen.
  • Die fünfte als Auffrisch-Impfung im Alter von 9 - 17 Jahren.

Die gebräuchlichen Impfstoffe gegen Pertussis sind so genannte azelluläre Impfstoffe. Das bedeutet, dass sie nicht die ganze Zelle des Erregers enthalten (auch nicht in abgetöteter Form), sondern nur einzelne Zellbestandteile.

Hochansteckende Krankheit

Keuchhusten (Pertussis) wird durch das Bakterium Bordetella pertussis (benannt nach dem Entdecker Jules Bordet) ausgelöst. Der Erreger befällt die Schleimhäute der Atemwege.

Er produziert eine Reihe verschiedener giftiger Substanzen, die die Schleimhäute angreifen und das Immunsystem schwächen, sodass es zu Sekundärinfektionen mit anderen Erregern und damit zu Lungen-, Mittelohr- oder Hirnentzündungen kommen kann.

Bordetella pertussis wird durch Tröpfchen übertragen, d.h. beim Husten, Niesen, Küssen etc., wobei etwa 80 Prozent der (nicht geimpften) Kontaktpersonen eines Erkrankten infiziert werden.

Besonders heimtückisch ist, dass vor allem Patienten im Anfangsstadium (wenn also der Keuchhusten noch nicht eindeutig feststeht), den Erreger verbreiten.

Die Inkubationszeit beträgt meist eine bis zwei, manchmal auch bis zu drei Wochen. Sofort nach Ablauf dieser Zeit ist der Infizierte selbst ansteckend, und zwar (ohne Behandlung) für drei Wochen.

Eine Therapie mit Antibiotika ist möglich und sollte möglichst früh einsetzen. Sie kann allerdings den Verlauf der Krankheit meist nur wenig beeinflussen.

Ein Vorteil der Antibiotika-Therapie ist jedoch, dass sie die Ansteckungsfähigkeit des Patienten verkürzt, und zwar auf fünf Tage nach Beginn der Behandlung.

Der Krankheitsverlauf

Pertussis ist eine Erkrankung, die mehrere Monate andauern kann. Der typische Verlauf wird in drei Stadien eingeteilt:

  • 1. Stadium catarrhale (1 - 2 Wochen): Symptome wie bei einem grippalen Infekt, d.h. Schnupfen, leichter Husten, eventuell Heiserkeit und leichtes Fieber. In diesem Stadium ist die Krankheit noch nicht als Keuchhusten erkennbar, aber der Patient ist hochansteckend!
  • 2. Stadium convulsivum (4 - 6 Wochen): Die charakteristischen Hustenanfälle treten auf, 15 - 20 Hustenstöße hintereinander mit ziehendem Einatmen bei gequältem Gesichtsausdruck. Dabei wird zäher, glasiger Schleim hervorgewürgt, oft gefolgt von Erbrechen. Eventuelles Fieber deutet auf eine Sekundärinfektion hin.
  • 3. Stadium decrementi (6 - 10 Wochen): Die Hustenanfälle werden leichter und seltener.

Achtung: Bei Erwachsenen kann eine Pertussis-Erkrankung auch einfach als länger andauernder Husten ohne die typischen Anfälle verlaufen. Bei ihnen wird die Krankheit dann möglicherweise gar nicht erkannt!

Auch bei Säuglingen kann Pertussis untypisch verlaufen. Aber auch eine besonders schwere Erkrankung ist möglich: Dabei sind zwar die Hustenanfälle schwächer, aber es kann zu einem plötzlichen Atemstillstand kommen!

Zudem sind Komplikationen wie Lungenschäden und Sekundärinfektionen mit ihren Folgen besonders häufig. Schwer erkrankte Säuglinge müssen stationär behandelt werden, weil sie den zähen Schleim oft nicht abhusten können. Er muss abgesaugt werden.

Maßnahmen zur Vorbeugung

Die wichtigste Maßnahme ist nach wie vor eine konsequente Impfung. Das zeigt sich daran, dass in den Jahren 1974 bis 1991, als in den alten Bundesländern die Impfung nicht empfohlen war, die Erkrankungsrate deutlich anstieg.

In letzter Zeit wurde festgestellt, dass auch vollständig (nach den bisherigen Empfehlungen) geimpfte Kinder und Jugendliche an Pertussis erkranken können. Daraus schließt die STIKO, dass der Impfschutz nach ca. fünf Jahren deutlich nachlässt.

Daher empfiehlt sie nun ein neues Impfschema mit einem zusätzlichen Termin:

  • Nach wie vor: Drei Impfungen im Alter von 2 bis 4 Monaten in jeweils vierwöchigem Abstand, gemeinsam mit der Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Hib, Polio und Hepatitis B.
  • Nach wie vor: Eine vierte Impfung im Alter von 11 bis 14 Monaten, mindestens ein halbes Jahr nach der dritten, um die Grundimmunisierung abzuschließen.
  • Neu: Eine fünfte Impfung im Alter von 5 - 6 Jahren, und zwar gemeinsam mit der für dieses Alter empfohlenen Tetanus und Diphtherie-Impfung mit einem Kombinationsimpfstoff (T d aP = Tetanus, Diphterie - niedrig dosiert -, azellulärer Pertussis-Impfstoff).
  • Nach wie vor : Eine Auffrisch-Impfung im Alter von 9 - 17 Jahren (jetzt die sechste Impfung), ebenfalls mit dem TdaP-Kombi-Impfstoff.

Daneben wird empfohlen, dass insbesondere Säuglinge - die ja noch nicht vollständig immunisiert und gleichzeitig besonders empfindlich für Komplikationen sind - keinen Kontakt mit hustenden Menschen haben sollten!